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Die Arbeit in der Schule

Autor: Melle | Datum: 13 November 2013, 18:59 | 1423 Kommentare

Der folgende Text ist vor allem für die Menschen dort draußen, die nicht meinen Rundbrief erhalten. Der Eintrag handelt über meine Arbeit in der Schule und ist der gleiche Text, wie im Rundbrief! Es fragen mich immer so viele, was ich mache und ich wollte es auch den Leuten nicht vorenthalten, die meinen Rundbrief nicht erhalten!

Also viel Spaß beim Lesen. Und ich werde auch noch ein paar mehr Fotos reinstellen zu meiner Schule!

Ich arbeite in der Ho-Heve  E.P Primary School. Die Primary School umfasst die Klassen 1 bis 6 und den Kindergarten1 und den Kindergarten2. Es gibt 14 Lehrer an der Schule. 12 Lehrerinnen und 2 Lehrer. Die Klassenlehrer unterrichten alle Fächer außer Französisch und I.C.T (Information and Communication Technology). In den Kindergartenklassen gibt es zwei Lehrer. Und in der sechsten Klasse gibt es noch eine Lehrerin für einen blinden Jungen in der Klasse. Jungen und Mädchen werden zusammen unterrichtet. Die Schule beginnt um 8 Uhr. Die ersten 15 Minuten ist Assembly, wo alle Kinder sich in ihren Klassen aufstellen und dann singen, beten und das Versprechen zu Ghana aufsagen, manchmal wird auch die Nationalhymne gesungen. Danach gibt es einen Marschsong und alle Kinder marschieren geschlossen zu ihren Klassenräumen. Die Schule endet um halb drei. Es gibt zwei Pausen von einer halben Stunde. Jeden Mittwoch ist von 8 Uhr bis 8:30 Uhr ein kleiner Gottesdienst, wo ein junger Pastor namens Isaac kommt und eine kleine Predigt hält. Die Kinder singen danach noch und beten. Am Ende wird von jeder Klasse Geld eingesammelt und daraus entsteht ein Wettbewerb, welche Klasse am meisten Geld gegeben hat. Das Geld wird dann für Erneuerungen an der Schule verwendet oder für die Anschaffung von neuen Fußbällen. Wenn eine Klasse gewonnen hat, dann gibt es an diesem Morgen keine größere Freude der Klasse. Die Gewinner jubeln und freuen sich. Jeden Freitag ist nach der zweiten Pause ab ein Uhr Spielphase. Dazu ziehen sich die meisten Schüler die Sportuniform der Schule an. Am Freitagmorgen muss manchmal der Hof und der Boden gefegt werden und das Gras geschnitten werden. Dies wird von den Klassen 4 – 6 übernommen. Die Tätigkeit dauert meist eine Stunde und geschieht während der Unterrichtszeit.

 Ich bin in der 5.Klasse mit 32 Schülern. Es sind mehr Mädchen als Jungen. Die Kinder sind zwischen 9 und  14 Jahren alt. Das Alter variiert in den verschieden Klassen und ist abhängig davon, wann die Eltern ihre Kinder zur Schule schicken und wie gut sie dort lernen und mitkommen. Viele Eltern schicken ihre Kinder nicht zur Schule, weil sie die helfenden Hände der Kinder bei der Arbeit zuhause auf dem Feld oder in dem Shop brauchen, den sie betreiben. Es herrscht Schulpflicht in Ghana. Jedes Kind hat eine Schuluniform. Da die Schule zu der Gemeinschaft der E.P Church Schulen gehört, hat jedes Kind eine grüne Uniform. Die E.P Schulen sind keine richtigen öffentlichen Schulen, aber auch keine richtigen Privatschulen. Es ist eine kirchliche Schule. Es müssen keine Schulgebühren bezahlt werden, wie an den Privatschulen. Auch die öffentlichen Schulen sind kostenlos, es muss nur Geld für die Uniformen und Bücher und anderes Material bezahlt werden. Die Lehrerin meiner Klasse heißt Madam Matilda, eine unglaublich liebe und nette Frau. Die Klassenlehrer haben immer eine bestimme Klasse. Wie zum Beispiel  Madam Matilda nur die Klasse 5 unterrichtet. In der Klasse ist auch ihre Tochter. In Ghana ist es erlaubt das eigene Kind selbst zu unterrichten.

Jede Klasse hat einen Stundenplan. Der meiner Klasse sieht so aus: Montag: Mathe, Englisch, Creative Arts (Kunst), Ewe (die lokal Sprache hier in der Volta Region) und Integrated Science (Eine Mischung aus Physik, Biologie und Chemie), Dienstag: Citizenship Education (Eine Mischung aus Erdkunde, Politik und Geschichte), Englisch, Mathe, Integrated Science und Ewe, Mittwoch: Religion, Creative Arts, Französisch und I.C.T., Donnerstag: Mathe, Citizenship Education, Integrated Science und Creative Arts, Freitag: Englisch und Ewe und an Nachmittag Spielphase, in der die Kinder draußen oder drinnen Spiele spielen können, wie Fußball oder Seil springen. Am Freitag habe ich ein Kindern machen möchte und was ich ihnen beibringen möchte. Ich will ihnen ein Allgemeinwissen über die  Kontinente und Ländern geben. Speziell über Westafrika und Afrika als gesamter Kontinent. Weiterhin will ich ihnen einen Einblick in die deutsche Sprache geben , genauso sehr möchte ich mit ihnen kreatives Schreiben, wie Dialoge oder Geschichten üben und basteln und malen. An den Stundenplan wird sich aber nicht so oft gehalten. Dann wird anstatt Mathe eben Englisch gemacht oder die Französisch Lehrerin kann nicht kommen und dann wird eben Mathe gemacht.In der Schule lerne ich auch nebenbei etwas Ewe, die lokal Sprache hier in der Volta Region, was echt gut ist. Die Kinder schreiben mir dann bestimmte Sachen auf und helfen mir die einzelnen Wörter richtig auszusprechen. Allerdings fällt es mir noch sehr schwer die Sprache zu lernen, weil es einfach Buchstaben gibt, die ich nicht aussprechen kann. Es ist auch sehr schwer mir die Wörter und die Aussprache zu merken.

 Meine Aufgabe ist es nicht selber ein bestimmtes Fach zu unterrichten, sondern meine Lehrerin zu unterstützen, auch mal eine Stunde zu übernehmen oder eben meine Freitagssstunden selber zu gestalten und zu unterrichten. Normalerweise muss die Lehrerin immer im Raum sein, da ich keine ausgebildete Lehrkraft bin und nur ausgebildete Lehrkräfte in Ghana an Primary Schools unterrichten dürfen. Ein Beispiel: Eine in Mathe sieht so aus: Es wird ein spezielles Thema unterrichtet, wie zum Beispiel Primzahlen. Dann wird erst erklärt, was Primzahlen sind und es werden Aufgaben zusammen an der Tafel gerechnet. Dann bekommt die Klasse Aufgaben, die sie bearbeiten müssen und dann zum Lehrertisch bringen müssen, wo die Aufgaben dann kontrolliert werden und benotet werden. Die Noten der einzelnen Aufgaben sind wichtig für die Endnote im Schuljahr. Zu den Noten der Aufgaben im Unterricht, kommen noch die Noten der Hausaufgaben, die Noten der Tests und die Noten der Examen hinzu. Die Examen werden am Ende eines Terms geschrieben und sind von der Regierung gestellt. Aus diesen Noten wird dann die Endnote gebildet. Die Tests werden zweimal in einem Term geschrieben. Ein Term umfasst drei Monate. Die Unterrichtsgestaltung ist so ähnlich wie in Deutschland. Erst wird ein Thema erklärt und dann werden Aufgaben gemacht.  Der Unterschied ist nur, dass in Deutschland am Ende keine Noten für die Aufgaben vergeben werden, sondern nur verglichen wird, ob die Lösungen stimmen.

Der Unterricht ist ein Frontalunterricht, es wird gar nicht bis kaum Gruppenarbeit gemacht, obwohl die neuen Bücher, die von der Regierung gestellt werden, auch Aufgaben mit Gruppenarbeit und Partnerarbeit enthalten. Aber die Lehrer wenden diese Methoden nicht an. Das Lernen ist ein auswendig lernen und kopieren von Fakten. Die Aufgabenstellungen beziehen sich genau auf den Text oder auf Stichpunkten an der Tafel, die dann genauso abgeschrieben werden. Zum Beispiel in Citizenship Education. Das Thema war Peergroups und die Definition von Peergroups stand an der Tafel und die erste Frage war: Was sind Peergroups? Alle Kinder haben natürlich volle Punktzahl bekommen, weil sie es einfach so abgeschrieben haben. Durch diese Abschreibmethode bleibt im Unklaren wer eigentlich wirklich gut schreiben und lesen kann und wer nicht. Hinzukommt, dass die Kinder auch nicht darin geschult werden ihre eigenen Formulierungen zu benutzen und selber zu denken. In einer Stunde Citizenship habe ich festgestellt, dass die Kinder nicht in der Lage sind eigene Formulierungen zu verwenden.  Ich wollte wissen, welche Vor-und Nachteile die Peergroups mit sich bringen. Der Text hat Vor- und Nachteile genannt, die man allerdings zusammen suchen musste und dann in einem eigenen Satz aufschreiben musste. Viele Schüler hatten dabei Probleme, da sie immer nur darauf fixiert sind, etwas wortwörtlich aus einem Text zu kopieren und aufzuschreiben und so zu lernen.

 Ich habe auch versucht einen Dialog zu schreiben. Zusammen mit einem Partner sollten die Kinder einen Dialog schreiben, was sie am Wochenende machen, was ihr Hobby ist oder welche Fußballmannschaft sie am liebsten mögen. Sie hatten freie Wahl und ich habe den Beginn eines Dialoges an die Tafel geschrieben, was auch so übernommen wurde. Doch danach wussten die meisten Kinder nicht mehr weiter und kamen zu mir und wollten wissen, was sie jetzt tun sollen. Ich habe versucht Anregungen zu geben, aber eigentlich wollte ich ja, dass sie selber ihre Fantasie benutzen, um sich den Verlauf weiter auszudenken. Es war auch sehr schwer den Kindern anfangs die Aufgabenstellung zu erklären. Viele haben nicht verstanden, was sie jetzt genau tun sollen.  Aber ich war erstaunt, dass echt gute Dialoge am Ende entstanden sind. Als alle fertig waren, habe ich einzelne Paare ihre Dialoge vortragen lassen, dabei hatten die Kinder total viel Spaß und haben sehr viel gelacht.

Eine wichtige Frage ist wohl auch die Frage nach dem Schlagen, wenn es um das Thema Schule geht. Offiziell ist es verboten die Kinder mit den Stöcken zu schlagen, aber trotzdem verwenden viele Lehrer die Methode dennoch um Ruhe und Ordnung in die Klasse zu bringen. Meine Lehrerin schlägt die Kinder nicht. Wenn Kinder laut sind, dann müssen sie rausgehen und sich unter einen Baum stellen und dort stehen bleiben, bis sie wieder reingeholt werden. Diese Methode wird auch in Deutschland angewendet. Störende Kindern müssen nach draußen gehen und warten. Ich habe aber manchmal das Gefühl, dass die Kinder ohne Drohungen auch nicht ruhig sein können oder es nicht wollen. Ich habe das Problem, dass ich die Kinder nicht ruhig bekomme. Ich werde eben nicht als ausgebildete Lehrerin angesehen und ich schlage die Kinder auch nicht, was sie auch wissen.  Wenn ich unterrichte und Madam Matilda im Raum ist, dann ist es auch ruhig und alle hören zu, aber wenn ich dann alleine mit den Kindern bin wird es schnell unruhig und keiner hört mehr zu. Dann muss ich auch laut werden, damit ich gegen die Lautstärke ankomme. Ich habe aber festgestellt, wenn ich den Stock einfach in die Hand nehme, dann sind sie etwas ruhiger. Ich habe eine eigene Methode entwickelt. Wenn Kinder laut sind müssen sie nach vorne kommen und die Arme zur Seite ausstrecken und so stehen bleiben, bis sie die Arme wieder runternehmen dürfen. Auf Dauer kann dies sehr anstrengend werden oder ich schicke die Kinder auch einfach raus und hole sie später wieder ein.  Ich finde es dann auch immer sehr schade, wenn die Kinder so laut sind, dabei andere Kinder stören, die lernen wollen und mir zu hören wollen. In den Pausen kommt zum Beispiel immer eine Schülerin an. Ihr Name ist Elizabeth und will ganz verschiedene Dinge wissen. Zum Beispiel noch Wörter auf Deutsch oder noch weitere Ländern zu den einzelnen Kontinenten. Das erfreut mich immer sehr und macht mich glücklich, da ich dann sehe, dass doch einige Kinder interessiert sind und lernen wollen. Das ist auch der Sinn dieses Jahres für mich. Ich will den Kindern etwas geben und auch etwas beibringen. Aber es ist doch auch sehr anstrengend und schwer, wenn alle Kinder laut sind und nicht wirklich mitmachen.Ddennoch erfreut es mich immer sehr, wenn ich sehe, wie die Kinder sich freuen und Spaß haben. Eine Entwicklung im kreativen Schreiben kann ich erkennen. Nach ein paar Wochen und ein paar Schreibübungen, kommen die Kinder immer besser mit den Aufgabenstellungen klar. Sie verstehen so langsam, was ich von ihnen möchte. Und dann sind sie so eifrig am schreiben und am Ende echt stolz auf ihre Arbeiten. Und wenn ich sie dann noch lobe, dann sind sie richtig glücklich. Und das Lachen eines Kindes ist mehr wert als alles andere.

Eine Stunde habe ich eine Lesestunde mit den Kindern gemacht, weil ich wissen wollte wie gut die Kinder lesen können. 15 Kinder können sehr gut bis befriedigend lesen. 8 Kinder können langsam und stockend lesen, aber sie verstehen was gemeint ist und erkennen die Wörter. 6 Kinder können gar nicht lesen und verstehen auch die Wörter nicht. Dann denken sie sich meist Wörter aus, die dort vielleicht stehen könnten. Daraus folgt eben, dass die Kinder, die nicht lesen können auch nicht schreiben können. Das schlimme ist leider nur, dass die Lehrer dies wissen, aber nichts dagegen unternehmen. Ich finde das total erschreckend. Deswegen werde ich das Jahr über versuchen mit den schwachen Leserinnen und Lesern individuellen Unterricht zu machen und ihnen das Lesen beizubringen. Trotzdem kann ich es verstehen, dass die Lehrer nicht immer die Zeit haben, sich nur um die lernschwächeren Kinder zu kümmern. Sie müssen mit dem Stoff in dem Jahr auch durchkommen und den Kindern etwas beibringen.

Insgesamt macht mir die Arbeit in der Schule sehr viel Spaß und ich erlebe jeden Tag viel Neues, bekomme immer mehr Eindrücke und sammle immer mehr Erfahrungen. Die Kinder sind mir schon sehr ans Herz gewachsen und ich unterhalte mich auch gerne mit ihnen, genauso wie ich mich gerne mit meiner Lehrerin über ganz unterschiedliche Themen unterhalte. Ich kann sie sehr viel über die Kultur oder bestimmte Verhaltensweisen fragen und sie erklärt mir immer alles sehr genau. Wie zum Beispiel Weihnachten gefeiert wird oder Ostern, wie ein Führerschein erlangt werden kann, wie das mit der Krankenversicherung hier in Ghana ist und noch viel mehr. Ich nehme aus den Gesprächen immer neue Informationen mit, aber gleichzeitig erzähle ich ihr auch viel von Deutschland und ziehe Vergleiche.

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